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Sie lebt von der Gemeinschaft, von der Begegnung, vom Für-Einander-Da-Sein, vom Mit-Sein mit anderen, auch Vierbeinern: tiergestützte Erlebnispädagogik scheint im Zeitalter von Corona-bedingter „Absonderung“ und „Social Distancing“ nicht stattfinden zu dürfen. Doch der Schein trügt. Tiergestützte Erlebnispädagogik ist so möglich wie eh und je, Corona hin oder her. Warum? Wegen der Hunde. Richtig gelesen. WIR – Kinder der Erde haben die Kursleiterinnen Dr. Barbara Deubzer und Hundetrainerin Judith Böhnke dazu befragt.

Judith & Barbara: Corona interessiert nicht, „wegen der Hunde“, ernsthaft?

Judith (lacht): Ernsthaft. Und das hat sogar mit „Social Distancing“ zu tun.

Barbara: Wir betrachten die Hunde im Kurs als echte Teilnehmer, nicht als Begleiter, die „funktionieren“ müssen. Jeder Hund kommt mit seinen ganz eigenen, individuellen Bedürfnissen, wie die Menschen auch. Jeder ist anders, jeder ist einzigartig. Dennoch teilen Hunde auch gemeinsame Bedürfnisse, „allgemeine Hunde-Bedürfnisse“ sozusagen. Und weil Hunde soziale Lebewesen sind, ist „Distancing“ essenzieller Bestandteil des Zusammenseins.

Das klingt widersprüchlich … wie lässt sich das verstehen?

Judith: Jedes Lebewesen hat eine „Behaglichkeits-Distanz“, im Grunde die berühmte Komfort-Zone. In diese Komfort-Zone lassen wir (genauso wie Hunde) Fremde nur unter bestimmten Bedingungen „eindringen“. Die elementarste dieser Bedingungen ist Vertrauen. Wenn wir (genau wie unsere Hunde) irgendwo fremd sind – mit neuen Menschen zusammenkommen, mit neuen Hunden, in neuen Umgebungen – ist Vertrauen meist eher in Form einer mehr oder weniger umfassenden Vorleistung gegeben. Diese Vorleistung erbringen Menschen und Hunde unterschiedlich gut, aus den verschiedensten Gründen, insbesondere biographischen.

Den Vertrauens-Vorschuss, den wir geben, überprüfen wir ständig. Wir beobachten unsere Gegenübers, deuten ihr Verhalten, testen sie. Menschen machen das vorwiegend über den Verstand, Hunde tun das über ihre Gefühle. Sie gleichen quasi jeden Moment ab Bin ich sicher? Macht mir etwas Angst? Kann ich mir erlauben, mich zu entspannen? Muss ich aufpassen? Jemanden besonders im Auge behalten? Vertrauen entsteht, wenn das, was um den Hund herum passiert, in ihm eine positive emotionale Antwort hervorruft: ja, ich bin sicher, ich darf mich entspannen, ich muss nicht aufpassen usw.

Barbara: Deshalb ist die Sache mit der Distanz so wichtig. Distanz vermittelt Sicherheit. Wer auf die Einhaltung einer Distanz achtet, bringt zugleich zum Ausdruck, dass er einem anderen nichts tun will. Deshalb ist die Entwicklung eines Bewusstseins für den positiven Nutzen von Distanz eines der elementaren Lernziele in der Erlebnispädagogik mit Tieren. Auf Distanz zu achten bedeutet, achtsam zu sein. Es ist immer wieder spannend und berührend, zu sehen, wie das Bewusstsein für Distanz die Entwicklung von Vertrauen und das Entstehen von Nähe fördert, das Entstehen von Vertrautheit, von Spiel, von Entspanntheit, es bisweilen regelrecht „beflügelt“.

Aber dann kommt es doch irgendwann zu Nah-Kontakten, oder?

Barbara: Die Hunde (und Menschen) werden eine Gemeinschaft, aber keine „Familie“. Jedes Mensch-Hund-Team bewohnt sein eigenes Zimmer im Schloss Buchenau, hat viele Möglichkeiten, außerhalb der Aktionen auch allein spazieren zu gehen. Es gibt unzählig viele Wanderwege rund um das Schloss. Wir sind zudem nur ausnahmsweise im Seminarraum und wenn, dann nur für kurze Zeit. Wir geben jedem Hund immer wieder Gelegenheit, den Seminarraum für sich zu erkunden, sodass der Hund anhand der wechselnden Gerüche erkennen kann, wer dort sonst noch so ein und aus geht. Sehen wir am Verhalten, dass ein Hund im Raum zu aufgeregt ist, kann er auch außerhalb oder im Zimmer warten, sofern ihm das vertraut ist. Teilnehmern, deren Hunde nicht gut allein sein können, empfehlen wir, eine vertraute Betreuungsperson zum Kurs mitzubringen, die sich in Auszeiten oder während einer „Theorie-Einheit“ um den Hund kümmern kann.

Judith: An dieser Stelle sei nochmal betont, dass kein Hund alle Aktionen mitmachen muss. Die Hunde dürfen dabei sein, müssen aber nicht. Daher erlauben wir auch Welpen und Hundesenioren, teilzunehmen. Ebenso Hunden, die „normalerweise“ gar nicht so gut „hören“. Für die Erlebnispädagogik sind solche Hunde sehr wertvoll, denn das, was sie nicht können, steigert den Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Aktion. Da unser Ansatz in der Erlebnispädagogik fast ein bisschen „Montessori“ ist – „Hilf mir, es selbst zu tun“ – und die Hunde Teilnehmer sind, keine „Befehlsempfänger“, ergeben sich äußerst spannende Zusatzaufgaben über die eigentliche Aktion hinaus. Und gerade diese „Zusatzaufgaben“ sind die, an denen die menschlichen Teilnehmer am meisten wachsen. Auch hinsichtlich ihrer Dynamik als Gruppe, als Gemeinschaft. Wir rufen im Alltag oft viel zu schnell und zu unreflektiert nach „Gehorsam“ und „Funktionieren“, damit die Dinge „klappen“. Und merken nicht, wie wir selbst, unsere Hunde und alle, die wir lieben, regelmäßig hinten runterfallen. Wir opfern unsere und die Bedürfnisse anderer für Dinge auf, die „klappen“ sollen – dabei liegen der Zauber einer Begegnung und die Schönheit des Miteinanders in dem, was vermeintlich nicht klappt. Denn dort sind wir echt, authentisch, verletzbar und in unserem Herzen. Dort lernen wir wirklich. Das wiederzuentdecken, es als Geschenk zu begreifen, es willkommen zu heißen und in unseren mit Sorgen überfrachteten Alltag zu transferieren anstatt es „wegzumachen“, ist ja auch nicht zuletzt das innerste pädagogische Ziel der Erlebnispädagogik mit Tieren.

Wie sieht es mit der Maskenpflicht aus?

Barbara: Zum einen gehen wir gehen davon aus, dass niemand mit Covid-Symptomen zum Kurs erscheint. Zum anderen sind wir die meiste Zeit draußen, aus unserer Sicht ist es daher unsinnig, in unserem Kurs über gesetzliche Vorgaben hinaus zu gehen. Bei den Aufgaben, wo wir die Distanz unterschreiten, werden Community Masken getragen. Wer dennoch bei größerer Distanz zueinander eine Maske tragen möchte, darf das gern tun. Aber wir fordern das nicht. Ansonsten werden im Schloss Buchenau die üblichen Hygienemaßnahmen beachtet.

Foto: Pixabay

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