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Immer wieder wenden sich Interessenten unsere Workshops und die Ausbildung in Tiergestützter Erlebnispädagogik an uns und fragen, mit welchen Trainingsmethoden wir arbeiten bzw. welche Methoden wir bei der Arbeit mit Hunden „erlauben“. Hier unsere nicht ganz einfache Antwort.

„Nicht ganz einfach“, weil wir Ihnen keine Allgemeinplätze aus der Reihe „gewaltfrei“ auftischen wollen. Jeder, der dem Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) folgt – welches bei uns auch und gerade in der Tiergestützten Erlebnispädagogik eine bedeutende Rolle spielt – weiß, dass „gewaltfrei“ nur das ist, was auf die Ausübung von Macht verzichtet. Da wir über unsere Hunde aber Macht ausüben müssen, kommen wir nicht umhin, Gewalt anzuwenden. Etwa, indem wir unsere Hunde anleinen, bestimmen, was, wann und wie viel sie fressen dürfen, was sie wann wie tun oder nicht tun dürfen (oder sollen) usw.

In der Tiergestützten Erlebnispädagogik unterscheiden wir deshalb zum einen zwischen „beschützender Machtausübung“ und „strafender Machtausübung“. Zum anderen lassen wir uns bewusst auf eine Gratwanderung ein hinsichtlich der Frage „wie weit darf/sollte beschützende Machtausübung gehen“ bzw. „wo sind ihre Grenzen“. Diese Grenzen sind individuell verschieden und von jedem Mensch-Hund-Team in ganz spezifischer Weise auszuloten. In der Tiergestützten Erlebnispädagogik begleiten wir das.

Tiergestützte Erlebnispädagogik: Auch die Hunde sind Teilnehmer

Die Hunde haben deshalb ein Mitspracherecht bei uns. Wir hören ihnen zu – oder besser: wir sehen ihnen zu, denn sie sprechen vorrangig mit ihrem Körper und ihrer Mimik. Daher liegt auch ein Schwerpunkt innerhalb unserer Workshops – vor allem aber in üäder Ausbildung in Tiergestützter Erlebnispädagogik – auf dem Verständnis des hundlichen Ausdrucksverhaltens. Wir „quälen“ unsere Teilnehmer damit richtig, filmen und fotografieren während der Aktionen und hinterfragen in den Reflexionen „wie fand der Hund das?“, „was sagt(e) er hier?“, „hast Du das gesehen/bemerkt in der Situation oder erkennst du es erst jetzt?“. „Hast du das Verhalten bislang anders interpretiert und warum?“. „Lauschst du mit allen Sinnen auf deinen Hund, auch wenn deine Aufmerksamkeit in einer Aktion gebunden ist?“.

Ob ein Hund gehorcht, ist im Rahmen all unserer Seminare nachrangig. In der Tiergestützten Erlebnispädagogik geht es um das, was der Hund kommuniziert. Was er offenbart über sein Fühlen und Denken in der jeweiligen Situation. Was er uns verrät über das, was er braucht, um eine Aufgabe bewältigen zu können. Gerade, wenn er (noch) gar keine Ahnung von seinem Beitrag hat und alle fürchten, an einer Aufgabe zu scheitern.

Tiergestützte Erlebnispädagogik: in der Komfort-Zone lernt man nix …

Zugegeben: mit einem gut vortrainierten Hund, der genau weiß, was von ihm erwartet wird, ist in der Erlebnispädagogik vieles sehr viel einfacher. Aber. Und das ist ein großes Aber: Ein gut vortrainierter Hund funktioniert nur – und stellt damit keine höheren Anforderungen an die menschlichen Teilnehmer in Sachen soziales Lernen, Rücksichtnahme, Empathie, Fürsorge, Kommunikation, Nein-Sagen, Wagnis, Konfliktlösung und ähnliches. Ein gut vortrainierter Hund zwingt niemanden dazu, aus seiner Komfort-Zone herauszukommen. Genau darum geht es in der Erlebnispädagogik aber. Es ist hier nicht das Ziel, in der Komfort-Zone „schöne Erlebnisse“ zu haben. Es geht um die Frage „wie ermöglichen wir ‚schöne Erlebnisse‘ außerhalb der Komfort-Zone, dort also, wo Lernen – insbesondere eben soziales Lernen – stattfindet“. Und hier ist es der Weg der Emparthie, der zählt, nicht das Ergebnis. Denn gute Ergebnisse können auch auf unschönen Wegen erreicht werden. Aber selbst das beste Ergebnis ist keinen unschönen Weg wert.

Die Positiv-Liste

Deshalb ist bei WIR – Kinder der Erde in Sachen „Methoden“ alles erlaubt, was dem einzelnen Hund hilft und ihn unterstützt. Es „darf“ mit Pfeife und Clicker gearbeitet werden und mit positiver Bestärkung, mit Targets, Locken und Vormachen („Do as I do“), mit Probieren lassen und scheitern dürfen. Jeder „Fehler“ ist uns ausdrücklich willkommen (wir provozieren „Fehler“ sogar, wenn sich keiner traut, sie zu machen). Wir legen großen Wert auf Entspannung und organisieren alle Seminarblöcke so, dass die Hunde immer genügend Zeit zum Kennenlernen und Bekanntmachen haben – ganz gleich, ob sich das Kennenlernen auf die Örtlichkeit, die anderen Hunde oder die anderen Menschen bezieht. Für Tiere ist Tiergestützte Arbeit Wunschkonzert (nur dann funktioniert das Konzept) – und für die Tiergestützte Erlebnispädagogik gilt das auch.

Die Negativ-Liste

Positiv-Listen sind immer schöner als Negativ-Listen, aber der Vollständigkeit halber hängen wir hier auch eine Negativ-Liste an. Was es bei uns nicht gibt (und was wir im Kurs auch nicht zulassen) sind „Hilfsmittel, um zu strafen“, Spritzflaschen, Diskscheiben, Wurfketten, Schreckreize und was es da sonst noch alles gibt. Wir erlauben kein „Wegsperren“ und kein „Ignorieren“, kein Gerucke an Leinen, kein Blocken, kein Gestampfe und auch kein Geschrei. Es wird sich nicht auf Leinen gestellt, und Hunde werden auch nicht „an Beine gebunden“ („Leg-Leader“). Sie werden nicht in der Gegend herumgezerrt und müssen auch nicht ständig „sitz“, „platz“ und „fuß“ abliefern.

Eskalieren unsere Seminare regelmäßig in Sau-Haufen? Nein. Im Gegenteil. Die Hunde merken von ganz allein, was jeweils angesagt ist. Und sie tun, was sie tun, weil wir es tun, als Gruppe. Und weil Hunde Meister im mit-machen sind. Es ist ihre Natur, zu kooperieren. Dafür brauchen sie keine Vorschriften und keinen Zwang. Sie sind nicht in der Lage, nicht mitzumachen (sie machen sogar dann noch mit, wenn sie es scheinbar nicht tun). Sie sind genau richtig.

Liebe mit Pfoten und Herz mit Verstand. Und genau da begegnen wir ihnen in der Tiergestützten Erlebnispädagogik bei WIR – Kinder der Erde.

Mehr über unsere Angebote in Tiergestützter Erlebnispädagogik erfahren Sie unter:


Tiergestützte Erlebnispädagogik – so funktioniert’s
Tiergestützte Erlebnispädagogik und Corona
Seminar im Bereich tiergestützte Erlebnispädagogik
Ausbildung Tiergestützte Erlebnispädagogik

Text: Judith Böhnke, Foto: Pixabay

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