Nur noch wenige Tage, dann ist es wieder soweit: auch wenn das Böllerwerk Corona sei Dank heuer offiziell abgesagt wurde, mag es hier und da dennoch knallen, zischen und puffen – Feuerwerk hat nicht unbedingt ein Verfallsdatum und wenn doch, so beachtet das nicht jeder. Geräuschempfindliche Haustiere – ganz gleich ob Hund, Katze, Papagei oder Meerschweinchen – können zudem auch dann schon Stress erleben, wenn beim Nachbarn bloß das Tischfeuerwerk explodiert. WIR – Kinder der Erde haben ein paar Tipps zusammengetragen, die helfen können, die Situation für Sie und Ihre Fellnasen entspannter zu gestalten.

Welche Tips gibt es für Tierhalter?

Zugegeben: nach Silvester ist vor Silvester, und Geräusche-Desensibilisierung ist für belastete oder potenziell belastete Tiere idealerweise das ganze Jahr über angesagt. Doch selbst wenn solcherart Training stattgefunden hat, muss das nicht heißen, dass dieses Silvester komplett stressfrei bleibt – zumal Realsituationen selten Rücksicht auf den jeweils erreichten Trainingsstand nehmen und im Training auch leicht zurückwerfen können. Deshalb lautet Regel Nummer 1 in Sachen „Silvester mit Tieren“:

Nicht verzagen. Erwartungen runterschrauben, empathisch sein (mit dem Tier und mit sich selbst), Nachsicht walten lassen. Die Situation wird sein, wie sie eben sein wird, und die Herausforderung ist immer „nur“, das Beste aus dem zu machen, was man hat.

Regel Nummer 2: Tiere, die bislang nie sensibel auf Geräusche reagiert haben, dieses Silvester das aber plötzlich tun, können körperliche bzw. gesundheitliche Probleme haben – von Läufigkeit bei Hündinnen bis hin zu Schilddrüsenproblemen oder diversen Schmerzgeschehen. Gerade Schmerz kann tückisch sein, da Schmerz Angst verstärkt und Angst wiederum Schmerz verstärkt. Wer einen kleinen Schmerzpatienten zu Hause hat, für den für den Bedarfsfall ein Schmerzmittelchen im Kühlschrank steht, kann unter Umständen gut beraten sein, das Schmerzmittel zu Silvester prophylaktisch zu verabreichen – das kann bis zu einem gewissen Grad zur Entspannung der Situation beitragen. Im Zweifel den Tierarzt fragen – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Regel Nummer 3: Flucht ist manchmal besser als Kampf. Wer weiß, dass es zu Hause laut wird, kann mindestens die „Feierstunde“ auswärts verbringen, sofern wegen Corona und Co. ein Last-Minute-Urlaub im ländlichen Outback 2020/21 ausfallen muss. Oft tut es auch schon ein nächtlicher Spaziergang außerhalb der Stadt, außerhalb des Wohngebietes. Mancherorts kann dem zwar eine Corona-bedingte Sperrstunde einen Riegel vorschieben, aber wo das nicht der Fall ist, bietet sich eine kleine ruhige Nachtwanderung durchaus als Ausweg an.

Für alle, die dem „Kampf“ gegen Knallerei nicht ausweichen können, empfehlen sich die folgenden Tipps als Hilfe in letzter Minute:

Stimmungsübertragung

Versuchen Sie, selbst ruhig zu bleiben, machen Sie Ihrem Tier aber nichts vor. Wenn Ihnen das Herz bis zum Hals schlägt und Sie wütend auf die Nachbarn sind, merkt das Ihr Tier, vor allem, wenn es sich dabei um einen Hund eine Katze oder einen Papagei handelt. Achten Sie auf Ihr „Innenleben“, auf das, was Sie fühlen. Die beste Hilfe für Ihr Tier in Sachen Stimmungsübertragung ist, wenn Sie für sich eine ruhige, angenehme und entspannte Atmosphäre schaffen, in der auch Sie einfach nur sein können – ohne sich um allzu viel rundherum kümmern zu müssen. Kochen Sie vor oder lassen Sie kochen, legen Sie die Füße hoch, lesen Sie, malen Sie, schreiben, stricken oder chillen Sie, hören Sie Musik, sehen Sie etwas Schönes im Fernsehen. Lassen Sie es sich gut gehen – dann fällt es Ihrem Tier leichter, sich in entspannter Weise an Ihnen zu orientieren (und nicht von all dem „angesteckt“ zu werden, was Sie noch erledigen müssen.

Trösten

Oft wird gesagt, dass man ein Tier, das Angst hat, nicht „trösten“ darf, weil das Trösten die Angst verstärken würde. Das stimmt und stimmt nicht. Denn wie so oft kommt es auf das Wie an und darauf, was das Tier braucht, was ihm in seiner Situation wirklich angenehm ist (egal ob Ihnen das auch angenehm wäre oder nicht) und die Angst wirklich kleiner werden lässt. Ganz grundsätzlich gilt, dass ein unangenehmes Gefühl (z.B. Angst) nicht noch unangenehmer werden kann, wenn man etwas hinzufügt, das wirklich als angenehm empfunden wird. Wie gesagt kann man das beim Tier nur anbieten, ausprobieren und beobachten. Genau das empfiehlt sich für Silvester. Es gibt Tiere, die fühlen sich wirklich am besten, wenn sie sich unter dem Bett verkriechen und dort bleiben können, bis alles vorbei ist. Andere Tiere erleben Erleichterung, wenn sie mit ihrem Menschen im Bett unter der Decke liegen. Wieder andere möchten wirklich auf den Schoß und/oder in den Arm genommen werden oder „nur“ angelehnt an das Bein neben den Füßen sitzen, vielleicht mit der Hand des Menschen auf dem Rücken oder auf der Schulter. Bieten Sie sich Ihrem Tier als flexible Unterstützung an, beobachten Sie es, fühlen Sie hin – Ihr Tier wird Ihnen durch sein Verhalten offenbaren, wie und welche Unterstützung es möchte.

Wichtig in Sachen Streicheln: Vermeiden Sie schnelle Bewegungen. "Rubbeln" Sie also nicht am Hund herum, sondern streiche(l)n Sie sehr bewusst und ruhig, langsam und mit "schwerer" Hand. Halten Sie inne und schauen Sie, ob Ihr Tier weitere Berührungen einfordert oder ob es den Eindruck macht, dass ihm eine auf ihm ruhende Hand oder das Ende einer Berührung angenehmer ist. Ist letzteres der Fall, sollten Sie vom Streicheln absehen. Bleiben Sie dennoch bei Ihrem Tier und gewähren Sie ihm Körperkontakt, wenn es das möchte.

Reize aussperren

Schließen Sie alle Fenster und lassen Sie, wenn vorhanden, die Rollläden herunter. Schirmen Sie den Raum vor Außengeräuschen und dem plötzlichen Schein des Feuerwerks so gut es möglich ist ab. Schaffen Sie eine eigene Geräuschkulisse, indem Sie z. Bsp. den Fernseher ein klein wenig lauter drehen oder Musik laufen lassen. Das hilft oft ein wenig, um Außenreize zu „übertönen“. Selbstverständlich sollten die Innengeräusche auch nicht zu laut für die empfindlichen Tierohren sein.

Tipp: „Cecilia“

Manchmal gelingt es, die Silvesterknallerei mit Musik zu übertönen. Besonders gut geeignet sind dafür Stücke, in denen viele verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen und in denen außerdem auch noch ordentlich getrommelt wird (vorausgesetzt, der Hund oder die Katze fürchtet sich nicht auch speziell vor Trommelgeräuschen). In dem alten Klassiker „Cecilia“ von Simon & Garfunkel beispielsweise wird so enthusiastisch getrommelt, gefiedelt und gerockt, dass viele Tiere auch parallele Knallgeräusche von draußen unter diese „Begleitmusik“ verbuchen – und ruhig bleiben, obwohl sie beim Feuerwerk sonst immer Angst hatten. „Cecilia“ in Endlosschleife hat sich für so manchen Vierbeiner an Silvester schon als echter Geheimtipp erwiesen. Wichtig: Ein paar Tage vorher ausprobieren, ob das eigene Tier nicht vielleicht doch sensibel auf den Song reagiert – dann darf er nicht gespielt werden. Nur wenn das Lied (oder jedes andere ausersehene) keine Reaktionen bewirkt, das Tier sich dadurch nicht einmal aus dem Schlaf holen lässt, ist es geeignet.

Licht & Duft

Aus der Aromatherapie sind Düfte bekannt, die aus sich selbst heraus beruhigende Wirkung haben. Darunter Echter Jasmin, Lavendel und vor allem Sandelholz. Solche Düfte können ohne zeitliche Begrenzung freigesetzt werden – am besten als natürliches Aroma-Öl via Duftlampe oder Diffusor.

Für den kurzzeitigen Akut-Einsatz empfiehlt sich türkisfarbenes Licht (es muss tatsächlich türkis sein). Wichtig: dazu darf nicht nur eine „Glühbirne“ türkis gefärbt sein, das Licht muss die entsprechende Wellenlänge aufweisen. Ideal geeignet sind dafür LED-Leuchtsysteme, deren Lichtfarben sich über eine kleine Fernbedienung ansteuern lassen. Auf diesen Fernbedienungen ist auch die Farbe „türkis“. Die maximale „Einwirkzeit“ des Lichtes beträgt 20 Minuten – deshalb keinesfalls den ganzen Abend die Wohnung in türkises Licht tauchen. Zehn Minuten vor bis 10 Minuten nach Mitternacht genügt.

Vorsicht vor der Gabe von Medikamenten

Lassen Sie sich unbedingt vom Tierarzt Ihres Vertrauens beraten, wenn Sie die Silvesterangst Ihres Tieres medikamentös verringern möchten.

In diesem Sinne wünschen WIR – Kinder der Erde Ihnen und Ihren Lieben einen entspannten Jahreswechsel!

Text: Judith Böhnke, Foto: Pixabay