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Wer dieser Tage vor leeren Supermarkt-Regalen steht, hat wahrscheinlich auch schon gedacht das ist jetzt keine Real-Satire mehr, das ist ReGal-Satire. Was gleichermaßen irritiert, erstaunt und zumindest ansatzweise sprachlos macht, ist bei näherer Betrachtung ein interessantes Beispiel für die Macht unserer Schöpferkraft: das, was in uns ist, verwirklicht sich in unserem Außen, im Guten wie im Bösen. Ohne die Angst, infolge eines Mangels an Klopapier, Mehl, Seife und ähnlichem schlimmes Leiden erleben zu müssen, gäbe es in den Supermärkten aktuell keinen Mangel an irgendwas. Aber – Häher, Eichhörnchen, Hamster und Co. „hamstern“ doch auch … sollte „Hamstern“ da nicht die natürlichste und selbstverständlichste Sache der Welt sein?

Hamsterkäufe und Corona – mit Selbstwirksamkeit gegen den Kontrollverlust

Durch die sozialen Medien geistert ein durchaus amüsanter Post, wonach in den USA vor allem Medikamente und Waffen gehamstert werden, in Italien Zigaretten und Grappa, in Frankreich Kondome und Rotwein und in Holland Haschisch und Käse. In Schottland sind sie dabei mit Whisky und in Deutschland mit Klopapier und Mehl. „Ich bin im falschen Land“, lautet das Resümee am Ende der Aufzählung, untermalt mit drei lachenden Smileys. Was die einen mit Humor nehmen, wird für die anderen echt bitter – diejenigen, die versäumt haben, rechtzeitig Vorräte nach Hause zu tragen und die vielleicht kein Auto, zu gebrechlich, eingeschränkte körperliche Mobilität oder keine Zeit haben, um einfach irgendwo anders herzubekommen, was es im unmittelbar zugänglichen Umfeld (fürs erste) nicht mehr gibt.

Hamsterkäufe: Was ist genug?

Vorräte anzulegen ist eine probate Überlebensstrategie – und unzählige Tiere machen es uns vor, ob sie Nüsse verbuddeln, Honig in Waben träufeln oder sich Fettdepots auf die Hüften futtern. Auch für uns Menschen ist das Vorräte anlegen evolutionär höchst bedeutsam gewesen. Und es steckt noch immer in uns drin, auch wenn es im Zeitalter des Überflusses scheinbar (?) nicht mehr notwendig ist. Die Formulierung „Zeitalter des Überflusses“ hat es in sich – denn sie suggeriert, dass wir einst (als wir noch Vorräte anlegen mussten, um beispielsweise über den Winter zu kommen), nicht im Überfluss gelebt haben. Bei genauerer Betrachtung stellen wir jedoch fest: Im Grunde und ganz grundsätzlich haben wir schon immer im Überfluss gelebt, trotz magerer Zeiten. Die Wälder und Wiesen waren voll von allem, was wir zum einfachen Leben brauchten. Wir brauchten nur hingehen und uns etwas von dem nehmen, was da war. Und wir könnten das noch heute, wenn wir das erforderliche Wissen noch hätten. Und wenn wir uns bewusst wären, wie viel wir zum Überleben bräuchten: es bliebe mehr als genug für diejenigen übrig, die auch von dem leben, was uns schmeckt oder anderweitig nützt.

Nachhaltig hamstern in der Corona-Zeit

Wir haben uns nie „umgewöhnt“ in Sachen Vorräte anlegen – nur der vermeintlich benötigte Überfluss ist im Laufe der Zeit immer überflüssiger geworden, im doppelten Wortsinn. Und wir scheinen etwas verlernt zu haben: den Sinn für das rechte Maß. Sicher, es gab eine Zeit, da haben wir Nashörner dazu gebracht, sich herdenweise und bis zum letzten Tier die Klippen hinunter zu stürzen, um uns dann doch nur zu nehmen, „was wir brauchten“ und ließen den Rest verkommen. Mit der Folge, dass die Herden ausblieben und sich der Überfluss in Not verwandelte. Und wir so auf die harte Tour lernen durften, wie man mit Überfluss umgeht, damit er als Überfluss uns und den kommenden Generationen erhalten bleibt. Heute nennt man das „Nachhaltigkeit“.

„Nachhaltiges Hamstern“ ist das, was wir scheinbar irgendwie vergessen haben – und was uns unsere tierlichen Vettern umso besser vormachen. Sie hamstern in einem Maß, das immer noch etwas übrig oder neu wachsen lässt – und sie müssen das (möglicherweise) nicht einmal bewusst tun, weil es ihre ureigene Natur ist. Sie sind Natur, so wie wir (eigentlich) Natur sind. Und uns unseres natürlichen Überflusses durchaus auch bewusst sein könnten. Was hält uns davon ab, es zu sein?

„Angst essen Seele auf“ – und Mitgefühl auch

Kaum einer, der das berühmte Zitat nicht kennt. Kaum einer, der nicht weiß, wie sich das anfühlt. Oder Angst davor hat, etwas Derartiges fühlen zu müssen. Woher eine wie auch immer geartete (Existenz-)Angst kommt, die sich mit einer Wagenladung Tiefkühlkost, Desinfektionsmittel und Klopapier besänftigen lässt, kann man pauschal nicht mutmaßen – dafür sind wir zu verschieden, und „Kaufen“ und „Haben“ sind als Strategien der Selbstwirksamkeit im Angesicht drohenden, bestehenden oder auch nur empfundenen Kontrollverlusts nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht ist es aber auch gar nicht Angst, was uns dazu bringt, mit Corona im Nacken die Supermarkt-Regale leer zu räumen – so „nachhaltig“, dass man sich nicht wirklich fragen muss, wie es sein kann, dass es mit dem Nachschub hapert. Vielleicht ist der Grund ein ganz anderer, und vielleicht hat er auch mit unserer Bereitschaft zu tun, zueinander noch mehr auf Distanz zu gehen, als wir ohnehin schon voneinander distanziert sind.

Überfluss ist in uns – oder nicht

Wer „draußen“ zu Hause ist, der weiß: wir sind eins mit allem, eine Arten- und Individuen-Gemeinschaft, die in sich stabil ist, weil jedes noch so winzige Teilchen von anderen Teilchen lebt und wieder andere Teilchen von sich leben lässt. Keines ist ohne die anderen denkbar. Genauso funktionierten einst unsere menschlichen Gemeinschaften. Wenn wir früher gehamstert haben, etwa um gemeinsam den Winter zu überstehen, hamsterten wir für die Gemeinschaft. Einer hamsterte für alle und alle für einen. Weil uns bewusst war, dass es die Gemeinschaft ist, die für den Einzelnen sorgt und nicht der Einzelne für sich selbst. Für ein soziales Lebewesen wie den Menschen geht es in der Essenz nicht bloß ums Überleben. Es geht auch und gerade darum, ein gutes Leben zu haben, und für dieses gute Leben brauchen wir andere Menschen. Brauchen wir Freunde, Familie und Nachbarn.

Alle Dinge ergeben immer Null

Es ist eine Binsenweisheit der Wirtschaftswissenschaften, dass alle Dinge zusammengenommen immer Null ergeben. Was wir hier haben wollen, müssen wir dort wegnehmen. Doch solange wir „haben“, sind wir blind für das „Dort“, von wo wir genommen haben. Wir sind das Nehmen so gewohnt, dass wir es gedankenloser nicht tun könnten. Zudem leben wir in einem Überfluss, der Nachbarn, Freunde und sogar Familie überflüssig macht – zumindest, solange wir konsumieren können. Wer jetzt entsetzt aufschreit und betont, das stimme nicht, braucht die Begriffe Nachbarn, Freunde und Familie nur ein bisschen weniger wörtlich nehmen und untersuchen, auf welche Personenkreise (z. B. Gemeinde, Land, Dritte Welt) er bereit ist, sie anzuwenden und auf welche Personenkreise nicht. Wer dieser Tage hamstert, hamstert für sich, nicht für die Gemeinschaft. Wenn er etwas für die Gemeinschaft tun wollte, würde er aufs Hamstern verzichten, denn das wäre eine Form des Teilens, die darauf abzielt, den Überfluss für alle zu erhalten, anstatt ihn in die eigene Rumpelkammer zu verlagern, nur damit er dort vor dem Zugriff der anderen, die auch brauchen könnten, sicher ist.

Was wir von Corona lernen können

Würden wir aufs Hamstern verzichten, wäre da, was immer da war und ist – und auch in Zeiten von Corona und Co. (oder was immer als nächstes kommt) da sein wird. Einen echten Ausnahmezustand könnte keine Regierung verhängen, ohne eine Notversorgung sicherzustellen. Corona hat uns einmal mehr gezeigt, dass wir "eine Welt" sind. Es gibt scheinbar Grenzen - jedoch keine wirklichen Grenzen für Viren, Bakterien, Klimaerwärmung oder andere Gefahren. Das ruft ins Bewusstsein, dass Risiken – Gefahren – Teil unseres Lebens sind und sein dürfen. Und dass sie – außer Risiken an sich – für uns noch etwas anderes im Gepäck haben: die Einladung zu hinterfragen, was wir tun oder nicht tun. Was wir empfinden und wie wir mit diesen Empfindungen umgehen. Ob wir lebensunterstützend handeln oder nicht. Und wovon wir uns leiten lassen – in dem, was wir zu brauchen glauben, was wir wie zu verantworten bereit sind und auch darin, wie wir Auseinandersetzungen um widerstreitende Ansichten zulassen und führen.

Die Lösung liegt nicht im Außen

Wenn wir äußere Umstände nicht kontrollieren können – ganz gleich, ob das tatsächlich so ist oder ob wir das nur glauben – lädt uns das ein, den Weg nach innen zu gehen. Manchmal ist das nicht ganz einfach, vor allem, wenn man allein zu Hause sitzt oder sich denen, die um einen herum sind, nicht öffnen kann oder möchte. WIR – Kinder der Erde laden in der Corona-Zeit deshalb zu offenen Treffen am Bildschirm ein. Teilnehmen kann jeder, der die momentan herrschende, unfreiwillige soziale Distanz aufbrechen und sich und anderen im Herzen begegnen möchte – auch und gerade in Bezug auf das, was ihm oder ihr Angst macht oder ihn oder sie sonstwie bewegt. Die Teilnahme an diesen Videokonferenzen ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist allerdings beschränkt. Wenn Sie sich in kleinem Kreis austauschen möchten, über das, was gerade in Ihnen lebendig ist, dann schreiben Sie uns. Zusätzlich bieten WIR – Kinder der Erde ein wöchentliches Gruppen-Coaching für inneres Wachsen, Gemeinschaft und Naturverbindung an: dann schicken Sie uns eine Mail!

Text: Judith Böhnke, Fotos: Judith Böhnke, Pixabay

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