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Seit der (Wieder-)Geburt der tiergestützten Therapie und Pädagogik sind Tiere auch aus solchen Bereichen nicht mehr wegzudenken, die ihnen noch vor wenigen Jahren konsequent verschlossen waren. Einen besonderen Stellenwert haben dabei nicht ohne Grund Hunde inne: Hunde sind uns Menschen zum einen in ihrem Sozialverhalten ähnlicher als jedes anderes Haus- oder Heimtier, zum anderen besitzen sie das breiteste Einsatzspektrum für tiergestützte Interventionen überhaupt. In der Erlebnispädagogik sind sie gerade dabei, Fuß – oder besser: Pfote – zu fassen. Worauf Anwender besonderes Augenmerk legen sollten, lesen Sie hier.

Was ist Erlebnispädagogik?

Grob vereinfacht ausgedrückt beschäftigt sich die Erlebnispädagogik mit Gruppenerfahrungen in der Natur. Was dabei gelernt wird, ist für jeden einzelnen sehr individuell und abhängig von seinen bisherigen Lebenserfahrungen, seinen ganz eigenen Kenntnissen und Fertigkeiten und seiner Sicht auf sich selbst, andere Menschen und „die Welt“ im Allgemeinen. Im Zentrum der Erlebnispädagogik steht somit die persönliche Weiterentwicklung des eigenen Selbst im Spiegel von anderen. Dafür schafft ein Erlebnispädagoge* geeignete Lernsituationen. Diese Situationen sind stets in irgendeiner Weise besonders bzw. außergewöhnlich – ein „Erlebnis“ also im weitesten Sinne. Ziel ist, die Teilnehmer aus ihrer gewohnten Komfortzone heraus zu führen, sie mit ihren Grenzen und Potenzialen in zu Kontakt zu bringen und durch eingehende Reflexion des Erlebten einen Erkenntnistransfer in den Alltag des Einzelnen zu ermöglichen.

Wie können Tiere in der Erlebnispädagogik unterstützend eingesetzt werden?

Das mögliche Einsatzspektrum von Tieren – speziell Hunden – in der Erlebnispädagogik weist eine Breite und Tiefe auf, die ihresgleichen sucht. Tatsächlich ist kein Bereich denkbar, in dem Hunde nicht eingesetzt werden könnten. Spezielle Fähigkeiten können auf Seiten der Vierbeiner günstigstenfalls vorhanden sein, müssen aber nicht. Sehr häufig wird in der Tiergestützten Intervention gefordert, dass Hunde (und auch andere Tiere) speziell ausgebildet sein müssten, um zuverlässig und belastungsfrei eingesetzt werden zu können. Tatsächlich ist das nur zum Teil der Fall – je nach dem, welche Aufgabe/n dem einzelnen Hund innerhalb eines pädagogischen Konzepts zukommen sollen und mit welchem Klientel jeweils gearbeitet wird. Es ist sowohl möglich, einen Hund einfach nur wie einen Begleithund „mitlaufen“ zu lassen, als auch ihn und weitere wie echte Teilnehmer in komplexe Aktionen einzubeziehen.

Tiergestützte Erlebnispädagogik: alle Gruppenmitglieder sind gleichwertig

Bei WIR – Kinder der Erde verfolgen wir den Ansatz, Hunde als gleichwertige Partner in allen Gruppenprozessen zu betrachten. Die Hunde sind dabei keine „Befehlsempfänger“, die im Rahmen von Aktionen beweisen sollen, wie gut sie trainiert sind. Zu diesem Trainingsstand führt ein Weg, der zunächst gegangen werden muss – und der aus unserer Sicht dem Hund ermöglichen muss, mit Freude bei der Sache zu sein, auch als Hund den „Gemeinschaftssinn“ innerhalb der Gruppe zu entdecken und zu erfahren und die Gruppe (mit allen beteiligten Menschen und anderen Hunden) als Raum zu erleben, in dem Sicherheit, Herausforderung und Achtsamkeit Hand in Hand gehen. Um einen solchen Raum entstehen zu lassen, ist neben dem erlebnispädagogischen Sachverstand profundes Wissen in Sachen Hundeverhalten und Lernbiologie vonnöten. Um in unserer Ausbildung beides gewährleisten zu können, arbeiten wir im Team: eine Wildnis- und Erlebnispädagogin übernimmt den pädagogischen Part für die Zweibeiner, eine Ethologin und Hundetrainerin den kynologischen Part die Hunde und den Umgang mit den Hunden betreffend.

Besonders wichtig ist uns ein wertschätzender, achtsamer Umgang miteinander und den anwesenden Hunden. Deshalb folgen wir in unserer Ausbildung dem Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach Marshal B. Rosenberg, das sich auch innerhalb der Mensch-Hund-Beziehung anwenden lässt.

Ausbildung Tiergestützte Erlebnispädagogik – wer kann teilnehmen?

Um an unserer Ausbildung in tiergestützter Erlebnispädagogik teilnehmen zu können, benötigen Sie nicht zwingend einen eigenen Hund und auch keinen Hund, der in irgendeiner Weise „ausgebildet“ ist. Sie können die Ausbildung ohne Hund absolvieren oder mit einem Hund, zu dem Sie in einer engen Vertrauensbeziehung stehen – beispielsweise, weil Sie mit diesem Hund aufgewachsen sind oder ihn regelmäßig betreuen. Die einzige Zugangsvoraussetzung für Hunde ist, dass sie mit Menschen und anderen Hunden sozialverträglich sind, denn die Erlebnispädagogik ist kein Raum, um an problematischem Verhalten zu arbeiten. Das gilt zumindest, solange Sie selbst nicht Hundetrainer oder Verhaltensberater sind. Haben Sie einen entsprechenden Hintergrund, können Sie die Erlebnispädagogik allerdings sehr wohl nutzen, um Ihre Arbeit mit Mensch und Tier zu bereichern und sich neue, spezifische und einzigartige Räume in Ihrem Tätigkeitsfeld zu erschließen.

Der Hund, mit dem Sie ansonsten ggf. an der Ausbildung teilnehmen, darf gut trainiert sein, muss aber nicht. Hunde, die noch oder gar nicht trainiert sind, stellen an eine Gruppe größere Anforderungen in den erlebnispädagogischen Aktionen, sie steigern also vielfach den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben. Deshalb gibt es bei uns auch grundsätzlich keine Altersbeschränkung für die teilnehmenden Hunde – vom Welpen bis zum Senior dürfen Hunde dabei sein.

Tiergestützte Erlebnispädagogik: spezielle Aktionen für Mensch und Hund

Es gibt mittlerweile hunderte erlebnispädagogische Aktionen für Zweibeiner-Gruppen, die sich sowohl für Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters und vielfältigste Aktionsräume (Wald, Schulhof, Park, Stadt, Indoor etc.) eignen. Für gemischte Gruppen mit menschlichen und Hunde-Teilnehmern haben wir von WIR – Kinder der Erde ganz eigene Aktionen entwickelt, die sich bislang in keinem Buch und keiner Aktionssammlung finden lassen. Ziel unserer Ausbildung ist jedoch nicht, dass Sie (nur) lernen, unsere fertigen Aktionen umzusetzen. Sie lernen zugleich, wie Sie selbst eigene Aktionen entwickeln und realisieren. Sofern Sie nicht selbst bereits Hundetrainer oder Verhaltensberater sind, zeigen wir Ihnen, wie Sie Hunde auf der Grundlage positiver Verstärkung trainieren können. Auch dieses Training kann bereits Bestandteil Ihrer eigenen Arbeit werden, je nach dem, in welcher Weise Sie mit Mensch und Tier arbeiten möchten und was jeweils Ihr individuelles pädagogisches Ziel ist.

Auch mit dem Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation machen wir Sie vertraut – sowohl in Bezug auf Reflexionstechniken, zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte, als auch hinsichtlich der Anwendung der GfK auf Hunde. Nicht zuletzt vermitteln wir Ihnen das Know-how, das Sie brauchen, um Ihre eigene tiergestützte erlebnispädagogische Arbeit an die Rahmenbedingungen für Projekte im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (kurz BNE) anzupassen. BNE-Zertifizierungen gibt es mittlerweile in vielen Bundesländern – tiergestützte Erlebnispädagogik erfüllt leicht sämtliche der geforderten Voraussetzungen, um in einem größeren Rahmen öffentliche Anerkennung und entsprechende Förderung zu gewinnen.

Sprechen Sie uns gern an. WIR – Kinder der Erde freuen uns auf Sie!

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir das Maskulinum, gemeint sind aber immer alle Geschlechter.

Text: Judith Böhnke, Foto: Pixabay

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